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Diese Woche hatte ich einen interessanten Workshop, in dem es darum ging dem Kunden das Ausmaß seiner fachlichen Anforderungen vor Augen zu führen.

Bei dem Projekt geht es um das Aufsetzen eines PIM-Systems, darin gibt es unter anderem auch die Anforderung, dass man Produkt-Verknüpfungen anlegen können soll. Eine Produktverknüpfung hat einen Typ (z.B. ist Zubehör, ist ein passender Aufsatz, …). Soweit so einfach.

relation

Von diesen potentiell vielen Verknüpfungen soll aber immer nur ein bestimmter Ausschnitt in unterschiedlichen Kontexten angezeigt werden. Die unterschiedlichen Kontexte sind

  • das Land, in dem ein Produkt angezeigt wird
  • das Medium / der Kanal, über den das Produkt ausgegeben wird
  • und die Zielgruppe, für die das Produkt angezeigt wird.

Modell

Die fachliche Bedeutung spielt für die weitere Betrachtung keine große Rolle, interessant ist der Komplexitätsraum, der aufgemacht wird: Es geht um das Kreuzprodukt der Produkte untereinander, multipliziert mit der Anzahl Länder, in denen unser Kunde tätig ist, multipliziert um die Anzahl Kanäle, über die er vertreibt, multipliziert mit der Anzahl Zielgruppen.

Die Formulierung dieser Anforderungen erfolgte über Regeln, in denen sowas drin steht wie eine Hierarchie, in der das Land der oberste Knoten ist, darunter der Kanal und darunter die Zielgruppe folgend. Dabei werden die Konfigurationen von Parent zu Child vererbt, können aber am Child überschrieben werden, indem einzelne Relationen dann exkludiert, andere inkludiert werden. Für die Zielgruppen wird auf oberster Ebene (parallel zum Land) ein Default konfiguert, der dann aber auf unterster Ebene doch wieder überschrieben werden kann. Der Kanal „Print“ ist dabei aber ein Sonderfall, und muss in der Hierarchie eigentlich eher so dargestellt werden, dass der Kanal der Toplevel ist und die Länder darunter hängen…

Im Großen und Ganzen haben diese Regeln nichts vereinfacht, da nach wie vor jedes Produkt mit jedem anderen in jedem beliebigen Kontext abbildbar war. Der Hintergrund dieser Regeln lag eher darin, dass der Kunde sich tief im Inneren der Komplexität bewusst war und den Pflegeaufwand fürchtete.

Dies habe ich versucht mir zu Nutze zu machen und die Komplexität in Form von Pflegeschritten greifbar zu machen.

Die Grundaussage ist: Fachliche Komplexität kann man durch die verwendete Technik nicht reduzieren! Insofern ist es legal die Komplexität in verschiedenen Formen darzustellen, z.B. in From von Einzelrelationen (Ausmultiplizieren der möglichen Kombinationen):

  • In Form der Einzelrelationen drückt sich die Komplexität darin aus, dass man plötzlich viel Pflegeaufwand hat
  • In Form der Regeln braucht man Expertenwissen, um diese Regeln sinnvoll festzulegen, muss für jede Regel, die man anlegt länger nachdenken und Fehler sind teuer in der Analyse.

Für den Workshop habe ich die Anforderungen von der Regel-Ebene auf die Einzelrelation-Ebene transformiert, da der Kunde dies eher greifen konnte. Dafür habe ich für ein angenommenes durchschnittliches Produkt die Anzahl der Relationen, die man pflegen müsste als Kennzahl der Komplexität angenommen.

Für die Ausgangsituation war das folgendes Bild:

Vollausbau

5000 Pflegeschritte (wenn auch nur als Kennzahl) für ein einziges Produkt hat seine Wirkung nicht verfehlt und die Teilnehmer für eine Diskussion zur Vereinfachung sensibilisiert.

Dann haben wir mögliche Vereinfachungen abgeleitet, mit denen wir in die Diskussion gegangen sind, diese sahen etwa wie folgt aus:

Annahme: Die Kunden, die sich über ein spezielles Produkt informieren, verhalten sich kanalübergreifend gleich, und man kann ihnen kanalübergreifend die gleichen Produktverknüpfungen anzeigen.

keinKanal

Vorteil:

  • Reduktion der Komplexität um einen Faktor 3

Nachteil:

  • Folgendes Szenario ist nicht abbildbar: Im Kanal Print sollen für ein Meßgerät einige Zubehörteile angezeigt werden, im Kanal Online sollen andere Zubehörprodukte angezeigt werden.

Fazit

In der Disukussion hat es uns geholfen die Komplexität auf eine für den Kunden erfassbare Kennzahl zu bringen. Im Verlauf des Workshops konnten wir über mögliche Reduzierungen sprechen, was diese an fachlichen Abschlägen bedeuten und wie stark sich die Komplexität durch diese Reduzierung vereinfacht.

Als Ergebnis im Workshop haben wir erreicht, dass diese Anforderungen zwar weiterhin annähernd vollständig bestehen blieben, aber immerhin mit dem nötigen Maß an Respekt dabei. Man kann halt nicht immer alles erreichen 😉

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